Beim Basteln mit Papier muss man das Papier, z.B. Tonkarton, Fotokarton oder Cardstock oft falzen. Zum Beispiel, wenn man selbst Grußkartenrohlinge oder Geschenkschachteln bastelt.
Die Rille
Um eine schöne, gerade, parallele Falz zu erhalten kann man mit unterschiedlichen Mitteln eine Falzrille (Falznaht) ziehen:
- Schneidemaschine mit Falz-Klinge, z.B. von Fiskars
- Score-Board
- Lineal und Embossing-Stift
Die Fiskars Schneidemaschine mit Rollenklinge ist meiner Meinung nach die eleganteste Variante, da man mit der Schneidklinge natürlich auch noch schneiden kann. Zudem ist man nicht eingeschränkt, was die Abstände zwischen den Falzen angeht. Das Score-Board hat eben vorgefertigte Vertiefungen zum Rillen und ist (meiner Meinung nach) nicht so flexibel - zudem kann man damit nicht schneiden.
Die günstigste Variante ist freilich das Lineal und ein Embossing-Stift - er sollte nur eine recht dünne Spitze haben.
Schön scharf - das eigentliche Falzen
Ist die Falznaht gezogen, geht das Falzen an sich schon viel leichter und mit weniger Papierbruch (an der Falzkante) einher. Perfekt "scharfe" Falzkanten erhält man dann mit einem Falzbein - alternativ tut´s aber auch der Fingernagel. Wer viel falzt, z.B. bei Origami & Co oder für Weihnachtskarten im großen Stil, der wird über das Falzbein als Helfer froh sein. Übrigens sollte man lackierte Fingernägel lieber nicht als Ersatz für´s Falzbein nehmen - manche Nagellacke hinterlassen Spuren auf dem Papier. Außerdem ist dann die ganze Mühe für´s Lackieren für die Katz.
Ungewollte (Auf-)Klappkarten
Die günstigsten Kartenrohlinge erhält man aus Tonkarton (ca. 180-200 g) in A5 - einmal in der Mitte falzen - fertig. Ärgerlich ist nur, dass die Karten einfach nicht richtig schließen, sondern immer wieder ein Stück von selbst aufklappen? Stimmt. Für eine Last-Minute-Karte ist das vielleicht nicht so toll, aber wer ein paar Tage Zeit hat, kann die Karten gut auf Vorrat falzen, gleich hohe Stapel auftürmen und dann mit einem großen, dicken und vor allem schön schweren Buch beschweren. Ein paar Tage abwarten und die Karten wirken wie gekauft ;0)
Tipp für extraschöne Falzkanten ab 100g/m²
Das Zauberwort für leichteres Falzen dickerer Papiere (ab ca. 100 g/m²) und extraschöne Falzkanten lautet "Laufrichtung" - der unspektakuläre Begriff ist tatsächlich technischer Natur, kann aber für´s Papier-Basteln Gold wert sein. Kurz erklärt: die Laufrichtung des Papiers ist durch die Herstellung bedingt = die Produktionsrichtung, in der die Papierfasern quasi ausgelegt werden und bestimmt die Laufrichtung bzw. ist die Laufrichtung.
Für Bastelfans bedeutet dies, dass sich die Papiere in Laufrichtung besser falzen lassen und das Papier an der Falzkante nicht so bricht (im Fachjargon Falzbruch), als wenn man es gegen die Laufrichtung falzt.
Wie man die Laufrichtung des Papieres herausfindet? Das geht recht leicht mit zwei Tricks. Den ersten solltest Du unbedingt sofort an einem Prospekt oder Kopierpapier ausprobieren - ich selbst habe nicht schlecht gestaunt, dass es tatsächlich so ist ;)
- Die (Zer-)Reißprobe: das Papier wird einmal an der Längsseite und einmal an der Querseite eingerissen (frei Schnauze). Die Seite, die den "geraderen" Riß hat, ist die in Laufrichtung.
- Biegeprobe: Papier in beide Richtungen biegen - die, in die es sich leichter biegen lässt, ist die Laufrichtung. Diese Möglichkeit bietet sich natürlich bei allen losen (und teuren) Papieren an - man weiß ja nicht, ob die Papiere wirklich alle schön in der gleichen "Richtung" gebündelt wurden.
Übrigens: Handgeschöpftes Papier hat keine Laufrichtung. Auch bei Origamipapier spielt sie keine (große) Rolle, da das Papier sehr dünn ist.